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AZ vom 18.07.2006

Strom aus dem Aabach
Aus: Aargauer Zeitung, Lezburg Seetal, vom Dienstag, 18. Juli 2006


Möriken-Wildegg/Niederlenz


Bedarf von 330 Haushalten kann gedeckt werden.


Hanny Dorer


Wer die einheimische Wasserkraft unterstützen will, kann von jetzt an einen Teil seines Stroms aus dem Aabach beziehen, dies allerdings zu einem leicht höheren Preis.


«Mit Ihrem Engagement helfen Sie, diese zwar teurere, dafür aber einheimische, erneuerbare und schadstofffreie Stromproduktion zu betreiben», schreiben die Regionalen Technischen Betriebe (RTB) im Flyer, mit dem sie auf das neue Angebot «Strom aus dem Aabach» aufmerksam machen.


Neu ist die Idee, mit der Wasserkraft des Aabachs Strom zu erzeugen, natürlich nicht. Früher wurde diese Art der Energieerzeugung von mehreren Fabriken zwischen Hallwilersee und Aare genutzt; heute geschieht dies nur noch vereinzelt. In Niederlenz und Wildegg sind gegenwärtig noch drei Wasserkraftwerke in Betrieb.


Pilot-Projekt mit Hetex


Eine der Firmen, die noch ein Wasserkraftwerk betreiben, ist die Hetex in Niederlenz. Seit die Produktion in der Hetex-Färberei aufgegeben wurde, wird die erzeugte Energie ins RTB-Netz eingespiesen. Die Turbine des Flusskraftwerks wurde im Jahre 2005 revidiert und produziert heute eine elektrische Spitzenleistung von rund 300 kW, was einer jährlichen Energieproduktion von etwa 1,5 Mio. kWh entspricht.


Im Vergleich zum Gesamtverbrauch in den beiden Gemeinden Möriken-Wildegg und Niederlenz, der im Jahre 2005 rund 45 Mio. kWh betrug, ist dies zwar wenig. Immerhin könnte das Hetex-Kraftwerk, je nach Menge der Niederschläge und damit der Wasserführung, den Strombedarf von rund 330 Haushaltungen decken (in einem mittleren Haushalt rechnet man mit einem Verbrauch von rund 4500 Kilowatt-
stunden). Das Wasserkraftwerk wird von Arnold Egger betreut, der früher Betriebselektriker bei Hetex war.


«Der Vertrag mit der Hetex ist ein Pilot-Projekt», präzisiert RTB-Beschäftsführer Werner Jaun. Je nach Ausgang dieses Projektes ist es nicht ausgeschlossen, dass man sich auch um die Beteiligung der beiden anderen Aabach-Kraftwerke Stawo und KIW bemüht, die je eine Leistung von etwa 60 kW produzieren.


25 Rappen pro Kilowattstunde


Für den Aabachstrom bezahlen die Kunden einen Zuschlag auf den ordentlichen Stromtarif. Die Bezugsmenge kann frei gewählt werden, muss aber aus administrativen Gründen mindestens 200 kWh pro Halbjahr betragen. Die gewünschte Menge Aabachstrom wird zu 25 Rappen in Rechnung gestellt, die restliche Verbrauchsmenge wird zum normalen Tarifpreis verrechnet.


Von den 25 Rappen erhält der Produzent 20 Rappen pro kWh; damit kann er sein Wasserkraftwerk kostendeckend betreiben. Mit den restlichen 5 Rappen pro kWh decken die RTB einen Teil ihrer Verteil- und Administrationskosten. Eine unabhängige Kontrollstelle wird überprüfen, ob die RTB nicht mehr Aabachstrom verkaufen als produziert wird.


Mehrkosten 35 Rappen pro Tag


Ein Beispiel: Bei einem halbjährlichen Stromverbrauch von 1000 kWh im Hochtarif und 3000 kWh im Niedertarif betragen die normalen Stromkosten 414 Franken. Entscheidet sich der Kunde für 500 kWh Strom aus dem Aabach, wird der höhere Preis je zur Hälfte auf den Hochtarif- und den Niedertarifverbrauch angerechnet. Daraus resultieren im Beispiel Mehrkosten von 64 Franken oder 35 Rappen pro Tag.


Geschäftsführer Werner Jaun hofft nun, dass möglichst viele RTB-Kunden von diesem Angebot Gebrauch machen und damit einen Beitrag an eine umweltschonende Stromproduktion leisten.